Festival Leipziger Romantik

Wenn Leipzig auf seine schriftlich belegbare 1000jährige Geschichte zurückblickt, haben die Bürger allen Grund, auch ihre Musikstadt zu feiern, die sie sich mit wirtschaftlicher Stärke und exzellentem Kunstsinn selbst erschufen.

Im 19. Jahrhundert war Leipzig, beginnend mit dem Wirken Mendelssohns und durch das glückliche Zusammenspiel vieler Faktoren, unangefochten Deutschlands Musikhauptstadt und galt neben Wien und Paris gar für einige Zeit als das musikalische Zentrum Europas. Zahlreiche Werke der romantischen Musik wurden hier komponiert und uraufgeführt. Leipziger Musikkritiker, allen voran Robert Schumann, prägten den Musikgeschmack einer ganzen Epoche. In aller Welt spielte man auf Instrumenten von Leipziger Instrumentenbauern und nach Noten aus Leipziger Musikverlagen.

Mit der beginnenden Industrialisierung im 19. Jahrhundert hatte sich das Bürgertum emanzipiert und enorme wirtschaftliche Kraft entwickelt. In Leipzig finanzierte man damit nicht nur den Eisenbahnbau, den Suezkanalbau u.v.a., sondern die Bürger stifteten große Summen für Konzert, Theater und bildende Kunst und schufen sich so ihre Stadt mit einzigartiger künstlerisch-kreativer Atmosphäre, die bis heute die Großen der Kunst anzieht. Und sie schufen eine eigene Architektur – die Industriearchitektur mit faszinierender Ästhetik. Die Universität Leipzig mit Universitätsmusik und Institut für Musikwissenschaft, die Richard Wagner Gesellschaft Leipzig 2013 e.V., Leipziger Vereine, die Leipziger Kulturstiftung, die Evangelisch-reformierte Gemeinde und die Komponistenhäuser haben auf Anregung von UMD David Timm ein gemeinsames Programm erarbeitet, um im Jahr 2015 beim "Festival Leipziger Romantik" nicht nur die Musik dieser Epoche aufzuführen, sondern explizit auf diese Zusammenhänge aufmerksam zu machen – das Zusammenwirken von emanzipierten Bürgern, Wirtschaft, Kunst und Kultur. Da die Richard Wagner Gesellschaft Leipzig 2013 eines ihrer Ziele erreicht hat - die Oper Leipzig veranstaltet ab diesem Jahr die von der Gesellschaft begründeten und seit 2006 jährlich durchgeführten „Wagner Festtage“ -, kann sich der Verein nun auch für die anderen Leipziger Romantiker öffnen - bis hin zu Universitätsmusikdirektor und Hochschulprofessor Max Reger, der 1916 in Leipzig verstarb.