Pressespiegel 2015

Kühne Entdeckungsreise

Festival „Leipziger Romantik“: Abschlusskonzert mit Schumann, Wagner und Reger in der Peterskirche

Von Peter Korfmacher

Vier Tage im Zeichen der „Leipziger Romantik“: Am Sonntagabend endete in der Peterskirche das erste Leipziger Festival gleichen Namens, initiiert von der Leipziger Wagner Gesellschaft um den künstlerischen Leiter David Timm. Und der, im Hauptberuf Universitätsmusikdirektor, hat in Kooperation mit anderen Institutionen der Stadt ein fabelhaft sinnliches und dramaturgisch kluges Programm gebaut: Von Mendelssohn, der am Anfang der romantischen Blütezeit der Musikstadt steht („Paulus“ und „Elias“) spannte sich der Bogen über Vorträge und Kammermusik bis zu Regers Klavierkonzert von 1910, das das akademische Ende einer Epoche markiert, in der Leipzig musikalisch auf Augenhöhe mit Wien und Paris stand.
Es ist ein Monstrum, das Opus 114 des Leipziger Kompositionsprofessors und Universitätsmusikdirektors Max Reger, das am Ende steht, und einen Ausblick ermöglicht auf den 100. Todestag im kommenden Jahr.
Es gibt nur wenige Klavierkonzerte, die technisch so anspruchsvoll sind wie dieses, das ganz in der sinfonischen Tradition der Gattung steht, deren Fundamente Brahms legte. Und weil diese vollgriffige Berserkerei auch nicht besonders dankbar ist für den Solisten, schlagen die meisten einen großen Bogen darum. Peter Serkin, Sohn des großen Rudolf, auch er ein Anwalt dieses Werkes, hat es regelmäßig im Repertoire (und spielt es am 19. und 20. Mai 2016 mit Herbert Blomstedt im Großen Concert). Und Ingmar Schwindt, Jahrgang 1977, der damit in der Peterskirche das Romantik-Festival beendet.
Er spielt den bestialischen Klavierpart mit staunenswerter Selbstverständlichkeit, mit tiefem Ernst und großer Kraft – aber nicht lärmig donnernd. Sein Anschlag bleibt trotz der Zumutungen kontrolliert und differenziert. Und auf den Inseln matt verschatteter Melancholie, die der Komponist den Außensätzen immerhin auch gönnte und die im Largo con grande espressione sanft die wunde Seele streicheln, beeindrucken Farben, Nuancen, Bögen an der Grenze zur Stille. Diese besondere Gabe bringt Schwindt noch berückender im Brahms-Intermezzo zur Geltung, das er als Zugabe reicht. Ein beeindruckender Pianist.
Doch auch er kann nicht verhindern, dass ein zweiter Grund für das Exoten-Dasein dieses Klavierkonzert-Schinkens offenhörlich wird. So wenig wie Timm, der mit seinem fabelhaften Mendelssohn-Projektorchester auch die instrumentale Seite dieser Medaille bei aller pathetischen Wucht so durchhörbar hält, wie es die Akustik der Peterskirche zulässt: Den Klanggebirgen dieses Werkes, den gewaltigen harmonischen Wegen, die es abschreitet, der bis zum Bersten aufgepumpten Chromatik fehlt das Ziel. Die Polyphonie bleibt harmonische Füllung – und die in ihrer professoralen Komplexität Selbstzweck. Auch darum steht dieses Werk so gut am Ende des Festivals: Hier ist er bereits überdehnt, der romantische Bogen.
Vorbereitet hat Timm die kühne Entdeckungsreise mit Schumanns Vierter, einem Werk aus dem Herzen der Leipziger Romantik sozusagen. Kraftvoll und aus einem Guss, transparent, leuchtend, mitreißend musiziert. Und mit dem Parsifal-Vorspiel des gebürtigen Leipzigers Richard Wagner. Auch hier setzt Timm mit fordernd unterteiltem Schlag auf Fluss und Logik mehr als auf mystische Verschleierung, was diesem Werk, das an Regers chromatischen Exerzitien vorbei weit voraus in die Zukunft weist, gut bekommt.
Lang anhaltender Applaus – und wenn die zweite Ausgabe des Festivals Leipziger Romantik 2016 nicht wieder mit so viel klassischer Konkurrenz kollidiert, erzeugen ihn künftig hoffentlich auch mehr Hände.

Leipziger Volkszeitung, 19.05.2015, S. 10.

 

 

Ex-Thomaner David Timm dirigierte Mendelssohns „Paulus“

So nicht geplantes Heimspiel in der Thomaskirche

Von Karsten Pietsch

Unbedingt dieses Jahr zu Christi Himmelfahrt Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium „Paulus“ aufzuführen, so stand es seit Jahren im Kalender von Universitätsmusikdirektor David Timm. Es sollte kurz nach der Kirchenweihe am Augustusplatz geschehen, in der Aula und Universitätskirche St. Pauli. Und eben „Paulus“, so wie damals bei Mendelssohn. [...]

Leipziger Internetzeitung, 16.05.2015.

 

 

Claus Fischer auf MDR-Figaro, 15.05.2015

 

Neues Festival Leipziger Romantik beginnt morgen

Leipzig feiert 1000. Geburtstag – und sich als Musikstadt: Denn Leipzig ist nicht nur die Stadt Johann Sebastian Bachs, Leipzig war auch die europäische Hauptstadt der Romantik. Hier lebten und oder wirkten maßgebliche Komponisten. Am von Mendelssohn gegründeten Konservatorium wurden die Großen der Welt ausgebildet; hier verlegten sie ihre Werke, kauften sie ihre Instrumente. Hier wurde die Musikwissenschaft erfunden.
Das würdigt die Leipziger Wagner-Gesellschaft mit ihrem neuen Festival „Leipziger Romantik“ in Kooperation mit anderen Vereinen und Institutionen: Mendelssohn-Haus, Schumann-Haus, Grieg-Begegnungsstätte, Leipziger Geschichtsverein, Evangelisch Reformierte Gemeinde und die Universitätsmusik.
Den Festival-Auftakt macht am morgigen Himmelfahrtstag ab 17 Uhr eine von Universitätsmusikdirektor David Timm dirigierte Aufführung von Mendelssohns „Paulus“ in der Thomaskirche. Das Ende markiert am Sonntag, 20 Uhr, ein hochspannendes Sinfoniekonzert in der Peterskirche mit Schumanns Vierter, dem Parsifal-Vorspiel aus der Feder Richard Wagners und Max Regers monumentalem Klavierkonzert. Solist ist Ingmar Schwindt, wieder dirigiert Timm das Mendelssohnorchester. Dazwischen gibt es weitere Konzerte und Vorträge. Beispielsweise über die Rolle des mäzenatischen Bürgertums bei dieser Blüte Leipzigs.

Leipziger Volkszeitung, 13.05.2015, S. 11.

 

 

Das musikalische Herz des Kontinents

„Leipziger Romantik“ – Neues Festival der Wagner Gesellschaft beleuchtet vom 14. bis 17. Mai die Blütezeit der Musikstadt

Von Peter Korfmacher

Dass Leipzig in diesem Jahr 1000. Geburtstag feiert, hat sich mittlerweile flächendeckend herumgesprochen, bleibt aber dennoch ein wenig mutwillig mit dem Rückgriff auf eine einstweilen erste schriftliche Erwähnung. Völlig unstrittig aber ist: Innerhalb dieser 1000 Jahre war Leipzig viele Jahre lang die Musikhauptstadt Europas, war Leipzig die Hauptstadt der Romantik: Von Mendelssohns Antritt als Gewandhauskapellmeister im Jahr 1835 bis mindestens zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs schlug hier das musikalische Herz des Kontinents. Hier lebten und oder wirkten maßgebliche Komponisten; am von Mendelssohn gegründeten Konservatorium wurden die Großen der Welt ausgebildet; hier verlegten sie ihre Werke, kauften sie ihre Instrumente; hier wurde die Musikwissenschaft erfunden und eine neue Form des Musikjournalismus. Kurzum: In Leipzig fand all das zusammen, was noch heute den klassischen Musikmarkt ausmacht.
Dieser großen Zeit widmet die Leipziger Richard Wagner Gesellschaft unter der Schirmherrschaft von Kurt Masur vom 14. bis zum 17. Mai das Festival „Leipziger Romantik“. Für ihren Vorsitzenden, den Universitätsmusikdirektor David Timm, ist diese Neuausrichtung der Wagner Gesellschaft nur konsequent: „Wagner ist auch in seiner Geburtsstadt inzwischen kein Unbekannter mehr. Seine Werke wurden durch unsere Festtage wiederbelebt. Mit diesem Jahr führt die Oper Leipzig sie weiter. Damit sind wesentliche Vereinsziele erreicht.“ Mit dem Blick auf Neues, habe man sich nun an die Musikstadt in ihrer prägenden Epoche gewagt: „Es ist ein erweiterter Blick; filmisch gesprochen ist es nicht mehr die Naheinstellung auf Wagner, sondern der Zoom zurück in die Totale auf die Musikstadt selbst.“
Dabei kooperiert die Wagner-Gesellschaft erneut mit anderen Vereinen und Institutionen. Im ersten Festivaljahr sind es das Mendelssohn-Haus, das Schumann-Haus, die Grieg-Begegnungsstätte, der Leipziger Geschichtsverein, die Evangelisch Reformierte Gemeinde und die Leipziger Universitätsmusik. Timm: „Gemeinsam haben wir ein Programm erarbeitet, in dem nicht nur Musik aufgeführt wird, sondern explizit auf das Zusammenwirken von Bürgern, Wirtschaft, Kunst und Kultur aufmerksam gemacht werden soll.“ Leipziger Bürger hätten damals erhebliche Summen gestiftet und so „eine Stadt mit einzigartiger künstlerisch-kreativer Atmosphäre“ entstehen lassen.
Den Festival-Auftakt macht am Himmelfahrtstag eine von Timm dirigierte Aufführung von Mendelssohns „Paulus“ in der Thomaskirche, bei der das auf historischen Instrumenten spielende Mendelssohnorchester den Leipziger Universitätschor begleitet. Am Ende steht ein Sinfoniekonzert in der Peterskirche, bei dem neben Schumanns Vierter das Parsifal-Vorspiel aus der Feder Richard Wagners und Max Regers monumentales Klavierkonzert stehen. Solist ist Ingmar Schwindt, wieder dirigiert Timm das Mendelssohnorchester. Dazwischen gibt es weitere Konzerte und Vorträge. Beispielsweise über die Rolle des mäzenatischen Bürgertums bei dieser einzigartigen Blüte der Musikstadt Leipzig. Von dessen Engagement profitieren wir noch heute. Nicht nur in Leipzig.

Leipziger Volkszeitung, 22.04.2015, S. 11.